Alleine Reisen in Südamerika

Uyuni

Alleine Reisen ist ein Thema, das mir am Herzen liegt. Viele (Frauen) würden gerne und trauen sich nicht – und schon gar nicht nach Südamerika. Ich habe es gewagt, als 45-Jährige, ohne viel Backpacker Erfahrung. Fünf fantastische und erlebnisreiche Monate mit dem Rucksack von Peru bis Kolumbien. Hier beantworte ich die häufigsten Fragen.

Soll ich oder soll ich nicht alleine Reisen?

Willst du wirklich alleine losziehen? Sämtliche Entscheidungen musst du selber treffen. Schöne Erlebnisse wirst du oft mit niemandem teilen können. Du wirst dich selbst in den Hintern treten müssen wenn du nicht gut drauf bist. Es braucht Energie ständig zu planen, recherchieren und organisieren. Du wirst ganz oft über deinen Schatten springen müssen. Nicht jeder (gilt sicher auch für Männer) fühlt sich wohl dabei. Aber wenn das dein Ding ist und du Lust hast auf so einen Trip, dann nix wie los, trau dich! Südamerika lässt sich wunderbar alleine bereisen.

hablas español?

Grundkenntnisse in Spanisch sind für eine Südamerikareise ungemein hilfreich. Es macht dich gleich sympathischer und öffnet Türen. Glaub mir, der Alltag auf Reisen ist viel weniger anstrengend, wenn du nicht schon beim Frühstück die Speisekarte übersetzen musst, unterwegs einfach mal nach dem Weg fragen oder mit dem Taxifahrer die Preise in spanisch verhandeln kannst. Besorg dir zudem auf jeden Fall ein Online-Wörterbuch mit offline Funktion.

Wo schlafe ich? Hostel vs Hotel

Um Kontakte zu knüpfen, sind Hostels meist besser geeignet als Hotels. Sie sind eine wahre Fundgrube für Informationen und du kannst im Normalfall Touren und Ausflüge buchen. Nein, man teilt sich nicht zwingend Zimmer und Bad mit Fremden. Es gibt durchaus nette Einzelzimmer. Dann setzt man sich in den Aufenthaltsraum (Garten oder Terrasse geht natürlich auch), blickt sich freundlich lächelnd um und oft ist man schnell in Kontakt mit anderen Gästen. Wer hat bessere Tipps zu Reisezielen als Leute, die gerade von da kommen? Manchmal muss man sich trauen, jemanden anzusprechen. Was kann schon passieren? Die meisten Leute siehst du nie wieder.

Unterkunft reservieren?

Ich fühle mich wohler, wenn ich irgendwo ankomme und weiss wohin. Vor allem in grossen Städten, nach einer elend langen Busfahrt oder bei Ankunft am späten Abend. Buchen kann man (auch sehr kurzfristig) über die gängigen Portale wie booking.com, hostelworld.com oder direkt bei der Unterkunft. Schau dir die aktuellen Bewertungen an. Da findest du Hinweise, wie du am besten zu der Schlafstelle kommst, wie gut die Lage ist, ob gerade umgebaut wird und vieles mehr. Reist man alleine, ist eine zentrale Behausung empfehlenswert. Aber keine Angst, du wirst auch ohne Reservation irgendwo ein Bett finden und manche mögen es grundsätzlich lieber spontan.

Ist Südamerika gefährlich?

Unterwegs hört man immer wieder Horrorgeschichten von Überfällen. In Quito fragt mich eine Angestellte bei einem Tour-Veranstalter völlig entsetzt, warum ich mein Geld nicht im Büstenhalter verstecke. Ich finde, man kann es auch übertreiben. Lass dich nicht verrückt machen, sei einfach auf der Hut. Fragt man nach, passieren viele Überfälle mitten in der Nacht (dann schlafe ich) oder in Gegenden, die in jedem Reiseführer als potenziell gefährlich eingestuft sind. Natürlich kann man Pech haben und zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Aber ich kenne unzählige Menschen (inklusive mich selber), die ohne Probleme mehrere Monate durch Südamerika gereist sind.

Ist alleine reisen langweilig?

Einsame oder eher langweilige Momente gibt es auf Reisen, die muss man aushalten können. Ich lese gerne. Während meiner Zeit in Südamerika habe ich über 20 Bücher verschlungen. Praktisch sind digitale Medien, zum Beispiel auch Hörbücher. Viele Reisende laden sich Filme oder Serien auf ihr Tablet. Meist habe ich zusätzlich ein „richtiges“ Buch im Gepäck. Gelesen lässt es sich problemlos in Hostels oder Cafés tauschen.

Tagebuch

Eine schöne Idee ist ein Tagebuch. Nimm ein leeres Heft mit und schreibe jeden Tag kurz auf, wo du bist und wie es dir geht. Dazu kannst du Tickets, Postkarten, Visitenkarten und Ähnliches einkleben oder auch etwas zeichnen. Auf jeden Fall hast du nach der Reise ein tolles Souvenir und Nachschlagewerk.

Hilfe, es gibt so viel zu sehen

Viele Backpacker hetzen durch die Welt. Heute hier und morgen da, man will nichts verpassen, muss alles besichtigt haben und am Schluss weiss man nicht mehr, wo man überall war. Dabei passieren die tollsten Sachen an völlig unspektakulären Orten. Zudem sind die Hotspots häufig total überlaufen, teuer und immer wieder driften Erwartungen und Wirklichkeit weit auseinander. Nimm alles an Sehenswürdigkeiten mit, was auf deinem Weg liegt. Habe den Mut, etwas links liegen zu lassen. Weniger ist oft mehr.

Soll ich alleine essen gehen?

Ein Restaurantbesuch ist beim alleine Reisen für viele eine Horrorvorstellung. Warum eigentlich? Niemand stört sich an dir, du bist die Einzige, die damit ein Problem hat. Nimm etwas zum Lesen mit, nutze das WLAN und wer weiss, vielleicht ergibt sich ein nettes, lustiges oder interessantes Gespräch. Eine Alternative sind die Küchen in den Hostels.

Was bringt mir Networking?

Kontakte

Es lohnt sich, mit sympathischen Personen Telefonnummern auszutauschen oder sich auf sozialen Medien zu befreunden. Einen grossen Teil der Kontakte wirst du nach der Reise löschen, aber du weisst nie, wozu die noch gut sein können. So treffe ich unverhofft eine nette Reisebekanntschaft ein zweites Mal, zu einem Zeitpunkt und an einem Ort, der bei beiden überhaupt nicht geplant war.

Die Welt ist klein, ich staune immer wieder, wie viele Leute irgendwo jemanden kennen. Gerade beim alleine Reisen solltest du solche Kontakte nutzen. Spannend zum Beispiel, mit einem ausgewanderten Landsmann einen Kaffee zu trinken und über seine Erfahrungen zu plaudern. Da wird dir mit Bestimmtheit eine ganz neue Sicht auf dein Reiseland vermittelt.

Soll ich Ausflüge buchen?

Organisierte Touren sind oft eine gute Sache. Du musst dich ausnahmsweise um nichts kümmern und hast den ganzen Tag Gesellschaft. Immer wieder ergibt sich im Anschluss ein Nachtessen oder eine weitere gemeinsame Aktivität. Ganz oft habe ich Leute, die mit mir auf einem Ausflug waren, zufällig nochmals angetroffen, Tage oder Wochen später.

Was wenn es gerade nicht so läuft?

Keine Panik, wenn es mal nicht so läuft wie gewünscht. Gönn dir etwas Besonderes. Gehe ins Kino oder in ein Museum, buche eine Massage, setze dich mit einem spannenden Buch in ein hübsches Café oder frage in deiner Unterkunft nach Aktivitäten oder Veranstaltungen. Manchmal braucht man solche Durststrecken und immer (wirklich!) ist plötzlich wieder alles im Lot.

Backpacken – eine Frage vom Alter?

Als Ü-40 gehört man in der Backpacker-Szene zu der älteren Generation, die jüngeren Reisenden haben andere Interessen oder Prioritäten und sind häufig in Gruppen unterwegs. Doch du wirst garantiert Leute treffen, die ebenfalls alleine Reisen und auf deiner Wellenlänge sind. Wenn es passt, ist das Alter zudem Nebensache. Ein wachsendes Kundensegment in Hostels sind (Früh-)Pensionierte auf Langzeitreisen.

Wie komme ich an Bargeld?

Versuche, deinen Bargeldvorrat immer rechtzeitig aufzustocken. Zwar bekommt man Geld problemlos an Bancomaten, aber eben, es sind südamerikanische Automaten und diese sind nicht immer zuverlässig. Verteile an verschiedenen Orten in deinem Gepäck ein paar Dollarnoten als Reserve – und hoffentlich erinnerst du dich später noch an die Verstecke.

Wie viel soll ich voraus planen?

Gerade beim alleine Reisen soll man offen bleiben für spontane Aktionen. Verplane dich nicht und sei flexibel, Abenteuer beginnen da, wo Pläne enden. Ich wollte auf gar keinen Fall nach Bogotá und schlussendlich hatte ich genau in dieser Stadt eine tolle Zeit. Vom caño cristales (Kolumbien) habe ich vorher nie gehört und nun zählt der Trip in diese noch unbekannte Gegend zu den absoluten Höhepunkten meiner Reise.

Soll ich in der Nacht Bus fahren?

Obwohl Nachtbusse sehr beliebt sind (man spart sich die Hostelkosten), mag ich diese Fahrten nicht besonders, vielleicht ist das eine Alterserscheinung. Entweder hängt man ewig rum, bis der Bus endlich abfährt oder man muss sich am Morgen die Zeit vertreiben bis zum Check-in am neuen Ort. Aber manchmal ist ein Nachtbus definitiv die beste Lösung und in der Regel sind diese überraschend luxuriös, besonders in der Kategorie „cama“. Also auf jeden Fall ausprobieren.

Wie wird meine Wäsche sauber?

Kleidung kann man in Südamerika überall waschen lassen. Stell dich darauf ein, dass mal eine Socke den Besitzer wechselt und plane den Abholtermin nicht zu nahe an deine Abreise. Kontrolliere, ob du den richtigen Sack zurückbekommst. Angeschriebene Öffnungszeiten und versprochene Erledigungsfristen sind in „lavandarías“ nicht zwingend verbindlich.


was sonst noch hilfreich ist beim alleine Reisen:

Sicherheit

  • Taschen in Restaurants auf keinen Fall auf den Boden stellen oder an die Stuhllehne hängen.
  • Abends nicht unbedingt die Handtasche spazieren führen. Deinen Schmuck lässt du besser gleich zu Hause.
  • Pass auf mit Rucksäcken, in Menschenmengen merkst du nicht wenn sich an deinem Rücken jemand Zugriff verschafft.
  • Erkundige dich in deiner Unterkunft, wo es (vor allem nach Einbruch der Dunkelheit) sicher ist und wo weniger.
  • Im Zweifelsfall (besonders am Abend) immer ein Taxi rufen lassen – auch für kurze Strecken.
  • Gewöhne dich daran, jeden Tag (manchmal mehrmals) zu erzählen, wer du bist, woher du kommst, wie lange du reist und wohin du als nächstes gehst.
  • Erzähle nicht gleich jedem wo du wohnst und erfinde ruhig auch mal einen (nicht vorhandenen) Begleiter der auf dich wartet oder angeblich gleich auftauchen wird.
  • Lass die Angestellten in deiner Unterkunft wissen was du vor hast. Oft bekommst du Tipps oder ein anderer Gast hat ähnliche Pläne und ihr könnt euch zusammen tun. Zudem ist es immer gut, wenn jemand weiss wo du bist. Mit wurde tatsächlich mehrmals ein Hund als Begleiter für Spaziergänge angeboten.

Ausrüstung

  • Ins Tagesgepäck gehören immer ein Notvorrat Klopapier und ein paar Kekse, Müesliriegel oder Ähnliches. Ddamit bist du für (fast) alle Fälle gerüstet. Du weisst nie, wie lange eine Busfahrt dauern kann.
  • An Reisetagen den Pass und die Wertsachen möglichst nahe am Körper tragen. Die Passnummer lernst du am besten auswendig, die benötigst du ständig.
  • Digitalisiere alle wichtigen Dokumente (Flugtickets, Pass, Versicherungspolicen) und speichere alles irgendwo ab, wo du im Notfall Zugriff hast. Zum Beispiel in einer E-Mail an dich selber.
  • Bei google maps (oder maps.me) kannst du Landkarten downloaden und später offline nutzen. Hilfreich finde ich eine App mit Kompass-Funktion und ein Währungsrechner. Oft genutzt zum Planen habe ich die App „rome2rio“ (So gehts von A nach B).
  • Ins Gepäck gehört ein kleines Schloss um Rucksack/Koffer abzuschliessen und/oder Wertsachen einzuschliessen. Praktisch ist ein kleiner Karabinerhaken, damit kannst du alle möglichen Dinge irgendwo befestigen.

Vertraue deinem Bauchgefühl. Nicht jede/r hat das gleiche Empfinden, was Sicherheit betrifft. Solange du dich wohl fühlst, ist meist auch alles ok. Als Frau alleine nach Südamerika? Jederzeit wieder!

Brauchst du noch mehr Argumente? Ein bekannter Blog für allein reisende Frauen ist „pinkcompass„, hier findest du viel Inspiration und ehrliche Antworten auf viele Fragen.


Ein Kommentar zu “Alleine Reisen in Südamerika”

Kommentar verfassen