Cleanup! Mit Trash Hero in Winterthur

Was denkst du, wie viele Zigarettenstummel finden 18 Personen in 90 Minuten im Stadtgarten in Winterthur? Warum ich Kippen zähle und wie ein Cleanup mit Trash Hero funktioniert erzähle ich dir in diesem Beitrag.

Cleanup im Stadtgarten Winterthur
Stadtgarten Winterthur

Cleanup

Mein Arbeitgeber engagiert sich mittels Corporate Volunteering (Freiwilligenarbeit) für Gesellschaft, Umwelt und Nachhaltigkeit und ermöglicht den Mitarbeiter/innen Freiwilligenarbeit in Alterszentren, Stiftungen und Umweltorganisationen. Eine wirklich tolle Sache, ich entscheide mich in diesem Jahr für einen Einsatz im Bereich Umweltschutz.

„TRASH HERO ist eine enthusiastische, von Freiwilligen geführte Bewegung, die den Wandel in Gemeinschaften auf der ganzen Welt vorantreibt, sie motiviert und unterstützt, Plastikmüll aufzusammeln und dessen Entstehung zu verhindern.“ www.trashhero.org

Trash Hero

Tatort: Stadtgarten Winterthur

So finde ich mich an einem sehr heissen Juli Nachmittag im Stadtgarten in Winterthur, bewaffnet mit Handschuhen, Zange und einem noch leeren Kübel. Ich wundere mich etwas über das kleine Einsatzgebiet. Doch tatsächlich gibt es mehr als genug zu tun, obwohl am Morgen schon die Stadtreinigung im Einsatz war. Die professionellen Abfallsammler sind natürlich eher für das „Grobe“ zuständig und haben keine Zeit um ins Detail zu gehen. Genau dafür ist unsere Gruppe (15 Helfer, 2 Kinder und 3 Vertreter von Trash Hero) und der heutige Cleanup zuständig.

Schon nach wenigen Minuten beginnen sich die Kübel zu füllen. Schnell wird klar, das grosse Problem sind Zigarettenstummel. Es ist schier unglaublich, wie viele davon auf den Wegen, Rasenflächen und im Gebüsch zu finden sind. Dies in allen Verwesungsstadien, als Joint, mit und ohne Lippenstift. Unerklärlicherweise findet man die Corpus Delicti auch meist gehäuft um die Abfalleimer herum.

die erste Ausbeute
Die erste Ausbeute nach wenigen Minuten

Fundgegenstände

Weiter fördern wir erschreckend viele Scherben zu Tage sowie Flaschen, Papier, Dosen, PET, Kaugummi, Bierdeckel, Taschentücher, Geld und was halt sonst noch so weggeworfen wird. Sogar einige Passanten helfen plötzlich mit. Ein älterer Herr sammelt furchtlos ohne Handschuhe ein paar Scherben zusammen und legt sie sichtlich stolz in meinen Kübel.

Die Zeit vergeht wie im Flug und so ein Cleanup ist mit dem vielen Bücken wahrhaftig auch anstrengend. Unser jüngstes Teammitglied hat langsam die Schnauze voll, will auf den Spielplatz und endlich ein Eis essen! Er weiss genau wo die Gelateria ist, das hat das clevere Bürschchen auf dem Weg zum Park schon mal auskundschaftet.

Allerdings muss zuerst der Abfall sortiert und getrennt werden. Zudem zählen wir in der Tat jede einzelne Kippe für die Statistik.

Cleanup lohnt sich
nun wird sortiert

Es sind 3377 Zigarettenstummel zusammengekommen! Ist das nicht eine unglaubliche Zahl? Ein einziger Stummel verschmutzt 50 Liter Trinkwasser und benötigt bis zu 15 Jahre, um im Süsswasser vollständig zu verfallen. Im Salzwasser geht man von hunderten Jahren aus!

Kippen-Ausbeute
und gezählt

Es gibt noch viel zu tun

Auf dem Weg zurück an den Bahnhof merken wir, wie unser Blick geschärft ist. Wir sehen nun überall Zigarettenstummel am Boden liegen. Unser Einsatz an diesem Nachmittag ist nur ein ein Tropfen auf den heissen Stein und eigentlich ist ein Cleanup ja auch nicht die Lösung. Was ist besser als Abfall einzusammeln? Genau, dafür zu sorgen, dass dieser gar nicht in die Natur kommt! Da gibt es noch viel zu tun und jeder einzelne muss seinen Beitrag leisten.

In einem Jahr hat Trash Hero in der Schweiz 3122 kg Abfall mit 786 Freiwilligen eingesammelt.


  • Dem Problemabfall Zigarettenkippe nimmt sich zum Beispiel Tobacycle an. Da werden Zigarettenstummel gesammelt, zu einem spritzfähigen Granulat verarbeitet und daraus wieder Sammelbehälter hergestellt.
  • Ein Deutscher hat anscheinend eine Petition gestartet, in der er ein «Kippenpfand» von 20 Cent pro Zigarette fordert.  
  • Für Raucher bieten sich „Taschen-Aschenbecher“ an, ähnlich wie Pillendosen. Die stören nicht, sind rasch zur Hand und leicht. Die Stummel können bequem später entsorgt werden.
  • Vorbild sein und den Abfall auch selber ordentlich entsorgen.
  • Auf Mehrweg setzen: «to go» produziert rasch viel Müll.

Bei der Gelateria treffen wir wieder auf unseren kleinen Freund, mit einem strahlenden, blau verschmierten Gesicht und einem grossen Schlumpf-Eis in der Hand. So einen süssen Abschluss haben wir uns alle verdient, wenn auch lieber in anderer Geschmacksrichtung. Am nächsten Tag bleibt mir ein netter Muskelkater als Erinnerung an diesen denkwürdigen Nachmittag.


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