Reisen in Corona Zeiten (Yucatán, Mexiko)

Ich bin im November geboren und trotzdem mag ich den Monat nicht. Darum ist das seit Jahren meine bevorzugte Zeit, um auf Reisen zu gehen. Wenn immer möglich, versuche ich, meinen Geburtstag irgendwo in der Wärme zu verbringen. Dann kam Corona und plötzlich ist das nicht mehr so einfach.

2020 blieb ich in der Schweiz und habe die Geburtstagskerzen in den Bergen ausgeblasen. Dieses Jahr kämpfe ich mit mir und der Frage, ob eine Langstreckenreise zu verantworten ist. Ich finde viele Argumente dafür und genau gleich viele dagegen, aus meiner Sicht gibt es weder ein richtig noch ein falsch. Jeder muss diese Entscheidung für sich selber treffen und sich der möglichen Konsequenzen bewusst sein.

Schlussendlich gewinnt das Fernweh und die Sehnsucht nach Wärme und Meer. Ich entschliesse mich kurzfristig zu einer Reise nach Yucátan. Die Buchungen (Flug und Hotels) überlasse ich den Spezialisten bei Globetrotter, so habe ich einen Ansprechpartner in der Schweiz und werde mit Infos versorgt, sollten sich die Reisebestimmungen ändern.

Kurz vor meiner Abreise explodieren die Corona-Fallzahlen und während der Reise kommt die neue Omikron Variante ins Spiel. Das Bundesamt für Gesundheit setzt ein Land nach dem anderen auf die Quarantäne Liste. Ich kann ohne Auflagen zurück in die Schweiz reisen, es hätte aber auch gut in einer Isolierung oder mit der kurzfristigen Organisation von einem Test enden können, solche Möglichkeiten muss man in Betracht ziehen.

Meine Reise

Wie erlebt man als Tourist die Corona Massnahmen in Yucátan? Mexiko verlangt (Stand Nov 21) zur Einreise weder einen Impfnachweis noch einen negativen Test. Das hat mich zu der Befürchtung verleitet, dass ich im Land kaum irgendwelche Schutzmassnahmen antreffen werde. Um es vorwegzunehmen, ich täusche mich und werde positiv überrascht.

Unterwegs bin ich zu zweit, individuell und 2-fach geimpft. Sehenswürdigkeiten besuche ich nur sehr gezielt. Ich geniesse die Tage mit langen Spaziergängen am Strand auf der Isla Holbox und in Tulum, streife durch Valladolid und Mérida und entdecke ganz viel wunderbar bunte Street-Art.

An-/Einreise

Wie schon erwähnt, es braucht aktuell für die Einreise in Mexiko weder eine Impfung noch einen negativen Test, ebenfalls gibt es von der Fluggesellschaft (Direktflug Edelweiss Zürich – Cancun) keine Auflagen. Der Flug ist für mich so etwas wie der wunde Punkt einer solchen Reise, aber daran lässt sich nicht viel ändern. Natürlich gilt Maskenpflicht, trotzdem ist es kein tolles Gefühl, 12 Stunden mit so vielen Menschen in einem Flugzeug zu sitzen.

Bei der Einreise müssen online einige Fragen zum Gesundheitszustand beantwortet werden und es wird Temperatur gemessen. Das ist alles.

Auf den Strassen sieht man überall COVID-Testcontainer. Es sollte also im Bedarfsfall keine Schwierigkeit darstellen, einen Test zu organisieren. In Holbox klopft es an der Zimmertür und ein Herr mit einer Tasche kommt vorbei für den COVID-Test. Zwar hat er sich in der Türe geirrt, doch anscheinend gibt es die Variante "Hausbesuch". 

Cubreboca (Maske tragen!)

Das Leben als Tourist in Mexiko spielt sich hauptsächlich draussen ab. Das ist, auch in Bezug auf das Virus, schon mal ein grosser Vorteil gegenüber November in der Schweiz. Sehr überrascht bin ich, dass die Mexikaner praktisch ausnahmslos mit Mund-Nasenschutz durch die Gegend laufen. An belebten Orten wird dann auch mit riesigen Plakaten auf die Maskenpflicht hingewiesen. „Cubreboca“ ist das Zauberwort in der aktuellen Zeit.

In Mérida besuche ich spontan ein Konzert im Freien. Es wird ganz selbstverständlich Maske getragen, sowohl von den Zuschauern als auch von den Akteuren. Selbst bei den so beliebten öffentlichen Tanzveranstaltungen auf den Plätzen in den Städten, sieht man Paare geschützt über das Parkett schweben.

Desinfektion

Das zweite Zauberwort heisst „Gel Antibacterial“. Egal ob Hotel, Shop, Restaurant, Bus Terminal oder Sehenswürdigkeit, am Eingang steht ein Mitarbeiter mit dem Desinfektionsmittel und knallt einem ungefragt eine Ladung davon auf die Hände, da gibt es kein Entrinnen. Manchmal wird zusätzlich Temperatur gemessen und an einigen Orten läuft man über desinfizierte Fussmatten.

In einem Hotel wird mein Koffer eingesprüht, Geld wird manchmal desinfiziert, Busse werden „ausgeräuchert“, die Kellner putzen ständig die Tische. Speisekarten gibt es oft nur als QR-Code. Hat den Nachteil, dass man sich immer mit dem WiFi verbinden muss.

Distanz

„Distancia“, ist das dritte Zauberwort. Ähnlich wie bei uns wird aufgerufen Abstand zu halten. Es sind überall am Boden Markierungen angebracht und wo möglich werden die Besucherströme geleitet d. h. Ein- und Ausgang befinden sich an verschiedenen Orten.

Ich bin in Mexiko fast ausschliesslich mit den modernen und komfortablen ADO-Bussen unterwegs. Hier sind zwischen den Sitzen Plexiglas-Trennscheiben angebracht und in den Wartezonen ist jeder zweite Stuhl abgesperrt oder es gibt entsprechende Aufkleber mit der Bitte, die Distanzregeln einzuhalten.

Man sieht auf der Strasse kein Händeschütteln. Entweder umarmen sich die Menschen kurz oder die Variante mit dem „Faust-Gruss“ kommt zum Einsatz. Teilweise gibt es kreative Abstandhalter, wie in dem Park auf dem Bild unten.


Ein leider etwas anderes Bild bietet sich mir in der Touristen Hochburg Tulum-Beach. Die "cubreboca" bleibt da oft in der Hosentasche und Distanz halten wird bei dem "party people" wohl eher Wunschdenken sein. Immerhin, das (mexikanische) Personal schützt sich und die Taxifahrer meist ebenfalls. Einer erklärt mir allerdings, ich könne die Maske nach dem Passieren der Polizeistation ruhig abnehmen.

Ich fühle mich als Tourist in Mexiko wohl und die Corona Massnahmen geben mir ein gutes Gefühl. Genau gleich wie zu Hause kann man sich in vielen Bereichen selber lieb sein und durch entsprechendes Verhalten das Risiko minimieren. Passieren kann immer und überall etwas, nicht nur in Bezug auf Corona.


Dieser Scherz zum Schluss muss noch sein. Corona gab es in Mexiko schon immer!

Mehr von mir aus Yucatán findest du im Artikel Yucatán (Mexiko) ist kunterbunt.

13 Kommentare zu “Reisen in Corona Zeiten (Yucatán, Mexiko)”

    1. Danke liebe Mirjam. Ich hätte den ganzen Tag einfach nur fotografieren können und hätte am liebsten nichts anderes gemacht, als nach noch mehr Street-Art Motiven Ausschau zu halten.

  1. Da habt ihr ja genau den richtigen Zeitpunkt erwischt für eure Reise nach Mexiko. Simone hat genau dasselbe erzählt betreffend Disziplin bei den Mexikanern. Ich freue mich immer, deine Berichte zu lesen. Ganz toll. Liebe Sandra, ich wünsche dir eine schöne Vorweihnachtszeit (hoffentlich bald mit besserem Wetter)…

  2. Die Zeit war wohl genau richtig für Ferien in Mexiko. Genau die selben Eindrücke hatte auch Simone, betr. Maske und Hygiene. Freue mich immer über deine ausführlichen Berichte. Nun wünsche ich dir eine schöne Vorweihnachtszeit.

    1. Ja wirklich, den November mag ich in der Schweiz einfach nicht… ausser man müsste nicht arbeiten und könnte dem Nebel entfliehen und ab in die Berge.

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