Maximón- der seltsame Heilige in Gutatemala

Ein Heiliger der Schnaps trinkt und raucht? Genau das habe ich in Guatemala angetroffen. Doch Maximón, der Maya-Gott, ist gar nicht so einfach zu finden.

Wie alle Guatemala-Touristen bin ich irgendwann am zauberhaften Atitlánsee und da erreicht mich die Nachricht von einem Bekannten aus der Schweiz. „Hast du Maximón schon gefunden“ fragt er mich. Maximón wer? Ich habe keine Ahnung wovon er spricht, aber meine Neugier ist geweckt.

Wer oder was ist Maximón

Ich beginne zu recherchieren, finde jedoch nicht wirklich viele konkrete Informationen. Wikipedia liefert wenigstens einige Erkenntnisse:

  • Die volkstümliche und sehr lebendige Verehrung Maximóns findet sich stammesübergreifend in etwa 20 Ortschaften im Bergland Guatemalas.
  • Maximón trägt Züge der Maya-Gottheit Maam und verbindet diese mit biblischen und kolonialzeitlichen Elementen. Manchmal gilt er auch als Mittler zwischen den Mächten des Himmels und denen der Unterwelt.
  • Maximón wird in einem eigens für ihn reservierten Gebäude oder Raum verehrt. In Santiago Atitlán wechselt sein Aufenthaltsort alljährlich. Diese Rahmenbedingungen liegen in den Händen einer Bruderschaft (cofradia).

Santiago de Atitlán

Wir beschliessen, am nächsten Tag einfach mal ein Boot nach Santiago de Atitlán zu nehmen und uns auf Spurensuche zu begeben. Gesagt, getan, keine 24 Stunden später sitzen wir auf dem Dorfplatz vor der Kirche und überlegen wie wir vorgehen wollen.

Meine Kollegin quatscht auf gut Glück einen Passanten an und fragt „wo ist Maximón“. Zu unserer Überraschung kommt wie aus der Pistole geschossen eine Antwort: „an der nächsten Kreuzung links hoch“. Ok, das ist ja einfacher als gedacht. So geht es weiter von Weggabelung zu Weggabelung und bereitwillig weisen uns die Leute den Weg.

In einem unscheinbaren Hinterhof werden wir schlussendlich fündig und was wir da antreffen ist ziemlich skurril.

Bienvenidos a Maximón
Da wohnt also Maximón

Die annähernd lebensgroßen Maximón-Figuren haben traditionell ein eher westlich-koloniales Erscheinungsbild, das dem eines Großgrundbesitzers des 19. oder beginnenden 20. Jahrhunderts nahe kommt – zu ihrer Ausstaffierung gehören Hut, Anzugjacke, Hemd, Krawatte, Stoffhose und teure Lederschuhe, manchmal auch eine Sonnenbrille, Schnäuzer und Bart. Sie sitzen mehr oder weniger erhöht auf einem Stuhl bzw. in einem Sessel, die von Blumenvasen und/oder Kerzen umstellt sind. Die Füße Maximóns ruhen oft auf einem Fussbänkchen. (wikipedia)

Maximón in Santiage de Atitlán
eine seltsame Szene

Gegen Bezahlung darf man Fotos machen und bewacht wird die Puppe von zwei grimmig blickenden Männern. In dem kleinen Raum steht zudem noch ein Sarg, es ist eine ziemlich spezielle Atmosphäre.

Ein zweiter Maximón in Zunil

Der seltsame Heilige lässt uns keine Ruhe. Ein paar Tage später finden wir uns in einem Chickenbus (öffentlicher Bus) auf dem Weg nach Zunil. Hier gibt es einen weiteren Maximón, allerdings nennt er sich an diesem Ort San Simón.

Es beginnt das gleiche Spiel, von Hausecke zu Hausecke fragen wir uns durch bis wir ihn irgendwann finden. In Zunil ist die Puppe gestylt wie Michael Jackson, eine ziemlich schräge Angelegenheit, aber irgendwie fasziniert uns das Ganze.

Maximón in Zunil
Maximón in Zunil

Täglich statten ihm viele Dorfbewohner aber auch Pilger aus der Umgebung – meist in Begleitung eines Heilers (curandero) – einen Besuch ab. Als Gaben bringen sie Kerzen, Blumen und Blütenblätter mit, die sie auf dem Boden oder auf kleinen Altären aufstellen bzw. ausbreiten. Vor allem aber spielen Alkohol und Zigarren bzw. Zigaretten eine große Rolle bei der Hervorbringung seiner heilenden und helfenden Kräfte – manchmal wird der Stuhl, auf dem er sitzt, nach hinten gekippt und einige Tropfen Schnaps werden ihm eingeflößt; die Zigarren und Zigaretten werden von den Männern angeraucht und ihm dann glimmend in den Mundwinkel gesteckt. Musik – auch aus Radios – und Weihrauch scheint er zu mögen; auch Banknoten werden verlangt – vor allem von ausländischen Fotografen und Touristen. (wikipedia)

Wir beobachten eine Weile das Geschehen und es läuft tatsächlich ab, wie oben beschrieben. Die Besucher kommen in Scharen und bringen Gaben. Der Puppe wird Schnaps eingeflösst und die Männer stecken ihr brennende Zigaretten in den Mund.

Das sind für uns wirklich seltsame Begegnungen, wir wissen nicht so recht wie wir das Ganze einordnen sollen. Auf jeden Fall ist Maximón ein spannender und ungewöhnlicher Bestandteil einer tollen Reise durch Guatemala.


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