Ostsee Radtour – Inselhüpfen von Lübeck bis Kopenhagen

Ostsee Radtour Titelbild

Nach einem Jahr Pause ist es wieder so weit, die Schweizer Radelmädels treten in die Pedale. Wir lieben beide das Meer und daher einigen wir uns problemlos und rasch auf ein Ziel, eine Ostsee Radtour soll es sein. Wir wollen uns den Wind um die Nase wehen lassen.

Bei der Planung orientieren wir uns grob am Fernradweg Hamburg Kopenhagen und passen die Route unseren Bedürfnissen und dem Zeitbudget an. Durch den Start in Lübeck sind wir rascher am Meer.

Die Anreise an die Ostsee erfolgt mit der Bahn und wir nehmen unsere eigenen Fahrräder (ohne Motor) mit. Es empfiehlt sich, Fahrradplätze im Zug frühzeitig zu buchen. Beim ÖBB-Nightjet ist eine Reservation 180 Tage vor Abreise möglich (Stand 2022).

Unsere Bahnstrecken

  • NJ Zürich – Hamburg
  • RE Hamburg – Lübeck
  • IC Kopenhagen – Hamburg
  • NJ Hamburg – Zürich

Tipp: Auf der Rückreise haben wir in Hamburg knapp 5 Stunden Aufenthalt. Wir deponieren die Fahrräder (inkl. Gepäck) für 10 Euro (pro Person) bei der Gepäckaufbewahrung am Hauptbahnhof in der Wandelhalle. (Stand 2022)

Die Übernachtungen (Hotels und B&B) buchen wir im Voraus. Für uns hat sich dieses Vorgehen bewährt. Wir radeln entspannter, wenn wir wissen, wo am Abend ein gemütliches Bett und eine heisse Dusche auf uns warten. Wenn immer möglich, übernachten wir an Orten mit Infrastruktur (Supermarkt, Restaurants) in fussläufiger Distanz.


Steckbrief Ostsee Radtour

Strecke: Lübeck – Kopenhagen

360 Kilometer
6 Etappen à +/- 60 km.
1 Ruhetag, 1 Fährenüberfahrt

Übernachtungen
Lübeck, Neustadt, Heiligenhafen, Maribo (Lolland), Præstø , Køge, Kopenhagen


Start in Lübeck

Lübeck ist mir bisher völlig unbekannt, einzig Lübecker Marzipan sagt mir etwas. Zudem lesen wir zwei Mädels gerne die Ostsee-Krimis von Eva Almstädt und so wandeln wir auf den Spuren von Kommissarin Pia Korittki, die in der Stadt ansässig ist.

Freudig, lebendig, gelassen – so ist Lübecks Herzschlag, der durch die verwinkelten Altstadtgassen pulsiert und die imposante Backsteinarchitektur der Altstadtinsel mit Leben füllt. 

luebeck-tourismus.de

Kaum angekommen sind wir schockverliebt in die Hansestadt und lassen uns treiben durch die verborgene Welt der Gänge und Höfe, schlendern über den begrünten Koberg zum Heiligen-Geist-Hospital und bewundern das Rathaus, die Altstadtinsel, das Holstentor und vieles mehr. Es ist ein wundervoller Start in unser Abenteuer.


Legende Teufelsstein Marienkirche

Der Teufel, der Laster und Sünde schon immer anziehend fand, legte begeistert selbst Hand beim Bau mit an und so soll die Kirche in Rekordzeit entstanden sein. Kurz vor Fertigstellung aber wurde dem Teufel auf einmal klar, dass er reingelegt worden war und, dass es sich statt um ein Weinhaus um ein Gotteshaus handelte.

Wutentbrannt soll er einen großen Steinbrocken herangetragen haben mit der Absicht, diesen auf die Kirche zu werfen und die bisherige Arbeit zunichte zu machen. Ein Geselle soll dem Teufel zugerufen haben und ihm versprochen haben, dass neben der Kirche doch noch ein Weinhaus gebaut werden soll. Tatsächlich lies der Teufel den Felsbrocken neben der Kirche fallen und man baute kurz darauf den Ratskeller neben der Marienkirche.

Deutschland mal anders

Lübecker Bucht – Küstenzauber

Die Lübecker Bucht von Travemünde bis Dahme ist mein absolutes Highlight auf dieser Ostsee-Radtour. Timmendorfer Strand, Scharbeutz, Haffkrug, Sierksdorf, Neustadt, Pelzerhaken sind nur einige der Seebäder, die sich hier aneinanderreihen. Der Radweg begeistert uns mit einer attraktiven Routenführung, oft direkt an der Küste. Schöner könnte es nicht sein. Die Sonne scheint, wir atmen die salzige Seeluft ein, trinken Rhabarberschorle in schmucken Strandcafés, essen Fischbrötchen und sind glücklich. Unglaublich gerne würden wir uns für einen Nachmittag in einen der unzähligen Strandkörbe verziehen und einen Ostseekrimi lesen. Doch schliesslich sind wir zum Radeln hier und so geht es immer weiter nördlich, mit einem Dauergrinsen im Gesicht.


Tipp: Das Waterkant in Neustadt ist ein Bistro mit tollem Ambiente direkt am Wasser. Unkompliziert, gemütlich und lecker.


Fehmarn

Nach Heiligenhafen erreichen wir bald die Fehmarnsundbrücke, diese wird auch der grösste Kleiderbügel der Welt genannt. Die Brücke ist 963 Meter lang und steht unter Denkmalschutz. Kräftiger Wind kann für eine Zwangspause sorgen, dann wird die Brücke gesperrt. Doch der Wind ist uns gnädig und so erreichen wir ohne Probleme die drittgrösste Insel Deutschlands.

Auf Fehmarn angekommen nehmen wir uns Zeit für einen kurzen Abstecher zum Leuchtturm Strukkamphuk. In Burg, dem Hauptort, packen wir anschliessend auf einer Bank unser Picknick aus. Dann queren wir Fehmarn mehr oder weniger auf direktem Weg.


Fähre Puttgarden – Rødby 

Spannend ist für uns die anschliessende Fährenüberfahrt nach Dänemark. Zusammen mit Lastwagen, vielen Autos und einigen Motorrädern verschwinden wir mit unseren Fahrrädern im Bauch des grossen Kahns. 45 Minuten und 18 km später rollen wir auf der anderen Seite wieder hinaus und sind in einer neuen Welt. Plötzlich verstehen wir nicht mehr viel und die Strassenschilder lassen Spielraum für eigene Interpretation. Velkommen in Dänemark!


Lolland – Pausentag in Maribo

Lolland hiess früher Laaland und ist in Bezug auf die Fläche die viertgrösste der dänischen Inseln. In Maribo legen wir einen Pausentag ein und erkunden zu Fuss den Naturpark an den idyllischen Maribo-Seen. Das Freilichtmuseum lädt zu einer spannenden Zeitreise ein. Viel mehr gibt es nicht zu entdecken und das stört uns überhaupt nicht, denn so können wir ohne schlechtes Gewissen etwas chillen.

Eine hässliche, uralte rostige und unendlich lange Brücke (3199 Meter) bringt uns von Lolland weg auf die Insel Masnedø. Nach einem windigen Picknick fahren wir weiter über die Masnedsundroen Brücke und sind nun auf der grössten Insel Dänemarks, Seeland. Hier liegt die Hauptstadt Kopenhagen. Doch bis dahin ist es noch ein gutes Stück.


hyggelig – Dänische Behaglichkeit auf Seeland

Wir sind erstaunt, wie verschlafen dänische Städtchen und Dörfer sind. Tagsüber auf dem Rad sehen wir kaum eine Menschenseele, keine spielenden Kinder, keine schwatzenden Mütter oder Väter, Dänemark wirkt auf uns wie ausgestorben. Auch am Abend ist nichts los, einzig in den Restaurants treffen wir auf Menschen. Bei den wenigen Kontakten, sei es an der Kasse im Supermarkt oder beim Essen, sind die Dänen freundlich und aufgeschlossen.

Eine schöne Überraschung erleben wir mit unseren Unterkünften auf Seeland. Die zwei B&B’s in Præstø und Køge sind schnuckelig. Genau das, was ich mir unter dem ominösen Wort hyggelig vorstelle. An beiden Orten würden wir am liebsten ein paar Tage länger bleiben.


Fahrradroute 56

Spontan entscheiden wir uns, zwischen Præstø und Køge der Route 56 zu folgen. Das entpuppt sich als guter Plan, denn diese Etappe ist einer der Höhepunkte auf unserer Tour. Malerisch führt uns der bestens markierte Weg auf kaum befahrenen Strässchen durch Wälder und hügelige Landschaft. Dazu als i-Tüpfelchen der blaue Himmel mit schneeweissen Wölkchen und einige Windräder am Horizont. Ein Bild wie auf einer Postkarte. Wir sind begeistert, die Kilometer strampeln sich wie von selbst.


Kopenhagen

Auch der letzte Abschnitt entlang der Küste ist nochmals ein Leckerbissen. Greve Strand, Hundige Strand, Brøndby Strand, ein Fotomotiv reiht sich an das nächste. Ein letztes Mal setzen wir uns auf die Terrasse in einem kleinen Strandcafé und frönen unserer Meerliebe.

Dann ist es nicht mehr weit und wir erreichen mit Kopenhagen das Ziel unserer Ostsee-Radtour. Hier geniessen wir private Gastfreundschaft und werden von unserem Host mit Auto, Velo und Boot durch die Stadt geführt.

Lunchpause machen wir in der alternativen Wohnsiedlung Christiania und fühlen uns anschliessend leicht bekifft, um uns herum werden fleissig Joints gedreht und geraucht.

Kopenhagen ist eine Fahrradstadt. Von einem solchen Radwegnetz können wir nur träumen. Einzig in der Hauptverkehrszeit braucht es gute Nerven und Konzentration. Da wird von rechts und links überholt und unser lokaler Guide missachtet sämtliche Rotlichter. Er vertraut darauf, dass die zwei Schweizer Landmädchen den Anschluss nicht verlieren. Fahrradhelme sind in Kopenhagen offenbar verpönt, dafür sehe ich zum ersten Mal einen Helm-Airbag.

Tipp: Auf dem ehemaligen Werftgelände der Halbinsel Refshaleøen reihen sich seit Mai 2018 rund 70 Container mit Streetfood, Bars und kreativen Werkstätten nebeneinander. Hier mischen sich Düfte aus Afrika und Südamerika mit dem Geruch von gegrilltem Fleisch und Fisch. Möglichst biologisch und lokal mit umweltfreundlichen Produkten und recycelbaren Materialien.

cremeguides.com

In Dänemark bin ich ohne Bargeld unterwegs und tatsächlich lässt sich alles mit Karte bezahlen, auch Kleinstbeträge wie das Klo am Bahnhof. Ausnahme ist eine unserer B&B Unterkünfte, die wollen cash, akzeptieren aber auch EURO.

Stolz und dankbar blicken wir zurück auf eine unglaublich schöne, abwechslungsreiche und zum Glück pannenfreie Ostsee-Radtour mit viel Wetterglück. Eines ist klar, wir kommen bestimmt wieder einmal an die Ostsee zum Radeln.

Weitere Radelmädel Abenteuer

Bodensee-Königssee-Radweg

Mittellandroute – die Radelmädels erobern die Schweiz

Alleine Reisen Bahnreise Bolivien Chile Deutschland Drahtesel Dänemark Ecuador Engadin Fernradweg Frankreich Geschichten von unterwegs Gesellschaft und Umwelt Griechenland Guatemala Indien Italien Jahresrückblick Japan Kanada Kantonshauptstadt Kolumbien Kuba Marokko Mexiko Museum NYC Peru Portugal Running Schweiz Silvester Ski Slowenien Spanien Street Art Städtereise Südkorea Ticino Unterkunft USA Wanderung Winter Aktivitäten Yoga Zentralschweiz

6 Kommentare zu “Ostsee Radtour – Inselhüpfen von Lübeck bis Kopenhagen”

Kommentar verfassen