Slowenien – mit dem Nachtzug nach Ljubljana

Titelbild Slowenien

Dobrodošli, herzlich willkommen. So fühle ich mich in Slowenien ab dem ersten Augenblick. Meine Reisepläne sind eher spontan entstanden und dementsprechend unvorbereitet komme ich zusammen mit einer Freundin in Ljubljana an. Wir treffen auf ein gastfreundliches Land, ein grünes Herz mitten in Europa und sind überrascht, wie viel der kleine Staat zwischen Alpen und Adria zu bieten hat.

Slowenien ist für seine Berge, Skigebiete und Seen bekannt, hat rund 2 Millionen Einwohner und grenzt an Italien, Österreich, Ungarn und Kroatien. Es ist das wohlhabendste Land des ehemaligen Jugoslawiens. Man kann (theoretisch) am Vormittag im Meer baden und am Nachmittag schon in den Bergen wandern.

Anreise im Pyjama (Nachtzug)

Um 8 Uhr abends stehen wir auf dem Perron am Hauptbahnhof in Zürich und steigen in den slowenischen Zug direkt nach Ljubljana. Viel Platz haben wir nicht in unserem Zweier-Abteil, doch das braucht man auch nicht. Mehr oder weniger bequem verschlafen wir die Reise, es schüttelt und rüttelt und am Morgen fahren wir pünktlich in Ljubljana ein.

Ljubljana

Die Hauptstadt Ljubljana (deutsch Laibach) ist zugleich die grösste Stadt des Landes. Es ist die entspannteste Hauptstadt, die ich kenne. Alles lässt sich zu Fuss erkunden und liegt nahe beisammen. Eine Stadt mit mediterranem Flair und gelassenen Einwohner. Ein freundliches „dober dan“ (guten Tag) löst oft einen slowenischen Redeschwall aus. Die meisten Slowenen sprechen jedoch Englisch und manchmal auch Deutsch.

Die Legende sagt, Ljubljana sei von dem griechischen Sagenhelden Jason gegründet worden, der dem König Aites das Goldene Vlies gestohlen habe und daraufhin mit seinen Kameraden, den Argonauten auf dem Schiff Argo über das Schwarze Meer in die Donau und Save bis zur Ljubljanica geflohen sei. Dort haben die Argonauten das Schiff zerlegt und zur Adria geschafft, um es dort wieder zusammenzusetzen und nach Griechenland zurückzukehren. Auf dem Weg in Richtung Küste haben Sie an der Quelle der Ljubljanica, an einem großen See und Moor Halt gemacht, wo ein Drachen lebte. Jason habe es mit dem Drachen aufgenommen, ihn besiegt und getötet.

visitljubljana.com

Über der Stadt thront die Burg, von dort oben ist der Blick wunderschön. Zurück über den Marktplatz zum Prešeren-Platz mit den drei steinernen Brücken und schon hat man das Wichtigste gesehen.

Stadt am Fluss

Das Herz der Stadt ist die Ljubljanica, der Fluss schlängelt sich malerisch durch die Altstadt. Unzählige Cafés und Restaurant reihen sich aneinander und verleihen Ljubljana ein besonderes Flair. Ausserhalb des Zentrums wird es richtig idyllisch, Trauerweiden säumen das Ufer und Jung und Alt chillen auf den Steintreppen oder auf den Bänken entlang des Flusses.

Man sollte sich jedoch nicht nur auf den Fluss konzentrieren. Coole und hippe Lokale sowie kleine Geschäfte, hübsche Gässchen oder imposante Gebäude findet man überall in der Stadt.

Mit dem Velo unterwegs

Mein persönliches Ljubljana-Highlight ist unsere Radtour rund um die Stadt.

Fahrräder kann man beim Tourismusbüro ausleihen, über das Selfservice-System von BcikelLJ oder, wie wir das gemacht haben, beim H2O Hostel. Eine ungefähre Beschreibung unserer Tour findest du auf der Website Unbekanntes Slowenien.

Ein erster Stopp lohnt sich beim Tivoli-Park. Mir gefällt die Outdoor-Fotoausstellung in der Jakopič-Promenade ausgesprochen gut. Anschliessend trinken wir einen Kaffee im lauschigen Čolnarna Café am Seerosenteich. Gleich nebenan laden Liegestühle im Schatten unter grossen Bäumen ein zu einer Siesta.

Weiter geht unsere Fahrt durch einen Wald zum Teich von Koseze. Am künstlichen See befinden sich Holzplattformen und Aussichtsstege. Ein wunderbarer Ort, um einfach etwas zu verweilen.

Dann folgen wir einige Kilometer dem „Weg der Erinnerungen und der Kameradschaft“ (POT) und nehmen Kurs zurück Richtung Stadt.

POT: Path of Remembrance and Comradeship: Die Zeit heilt alle Wunden. Die vergangenen Jahrzehnte haben nach und nach die Dunkelheit der Geschichte verdrängt, aber nicht die Erinnerung an sie. Der 32,5 Kilometer lange Freizeitweg verläuft dort, wo Ljubljana während des Zweiten Weltkriegs von einer Militärsperre mit Stacheldraht umgeben war. 

Retro-Feeling

Stellvertretend für die vielen hübschen, originellen oder stylishen Cafés und Restaurants in Ljubljana picke ich das gemütliche Nostalgija Vintage Café heraus. Im Stil der 50er/60er-Jahre sitzt man draussen auf Oma-Plüschsesseln oder an der Bar unter alten Trockenhauben, die zu Lampen umfunktioniert sind.

Freitag – Open Kitchen

Tradition hat der Essensmarkt in Ljubljana. Jeden Freitag vom Frühling bis in den späten Herbst wird draussen gekocht und gegessen. Viele Restaurants aus ganz Slowenien präsentieren ihre Menüs in kleineren und günstigeren Portionen. Es duftet nach hausgemachtem Kaiserschmarrn, Fleisch brutzelt auf dem Grill und in den asiatischen Woks wird fleissig gerührt. Dieses Street-Food-Happening sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.


Raus aus der Stadt – mit Bus und Zug

Slowenien eignet sich ideal für einen Roadtrip mit Auto/Mietwagen. Trotzdem entscheiden wir uns dagegen. Wir haben keine Lust, ständig Koffer zu packen und beziehen unsere Homebase in Ljubljana. Es lässt sich einiges mit öffentlichen Verkehrsmitteln entdecken und erleben und es macht Spass, am Abend durch die Gassen in der Stadt zu schlendern und sich fast wie ein „local“ zu fühlen.

Tipp: Am Wochenende gibt es einen Rabatt von 75 % auf Bus- und Zugtickets. (Stand 09/21)

Die berühmte Kremšnita  in Bled

Wer kennt es nicht, das Bild vom Bleder See mit der Kirche auf der winzig kleinen Insel. Natürlich wollen auch wir dahin und das geht problemlos mit dem Bus. Der schöne Spaziergang um den See dauert etwa 90 Minuten. Die Wanderung hoch zum Aussichtspunkt Mala Osojnica erfordert dann etwas Kondition und gutes Schuhwerk, es ist ein kleines Abenteuer. Wir Schweizer sind schon etwas verwöhnt mit unseren perfekt unterhaltenen und markierten Wanderwegen. Doch der Blick auf den See ist ein Traum und jede Schweissperle wert. Als Belohnung gönnen wir uns ein erfrischendes Bad im kühlen Nass.

Zu guter Letzt verdrücke ich die berühmte Bleder Crèmeschnitte. Pappsatt und superhappy nach dem grandiosen Tag geht es zurück nach Ljubljana.

Sonntagsausflug nach Novo Mesto

Mit dem Zug fahren wir am Sonntag nach Novo Mesto. Es ist ein eher unbekanntes Städtchen ohne wirkliche Sehenswürdigkeiten. Andere Touristen treffen wir hier kaum an. Doch genau das gefällt uns. Wir trinken einen Kaffee auf dem Hauptplatz, schwatzen mit dem jungen sympathischen Typ in der Touristeninfo, lassen uns treiben und leben in den Tag hinein.

Der Fluss Krka macht eine Schlaufe um Novo Mesto herum, ideal für einen langen Spaziergang dem Ufer entlang. Ein leichtes Hungergefühl lockt uns bald in ein Restaurant direkt am Wasser. Da gibt es am Sonntag ein währschaftes 4-Gang-Menü in sechs Variationen. Der nette Kellner übersetzt uns die Speisekarte geduldig ins Englische. Novo Mesto beschert uns den perfekten slowenischen Sonntag.

Sehnsucht nach dem Meer? Auf nach Piran!

Der slowenische Anteil an der Adriaküste beträgt lediglich 46 Kilometer. Die wichtigsten Städte sind Portoroz, Piran, Izola und Koper. Wir entscheiden uns Piran zu besuchen, den angeblich hübschesten der Küstenorte.

Und tatsächlich, ein Bilderbuchstädtchen mit venezianischem Flair. Die zwei Stunden Busfahrt (pro Weg) nehmen wir gerne in Kauf für einen Sommertag am Meer und bereuen die lange Anreise keine Sekunde.

Die Stadt ist umgeben von Wasser, es gibt einen kleinen Fischerhafen, ein verstecktes Kloster, zahllose schmale gepflasterte Gässchen und den wunderschönen Tartini Platz. Geniale Aussicht hat man vom Campanile (Glockenturm), der eine Kopie des Turms am Markusplatz in Venedig ist. Es macht Spass, hier zu bummeln, die salzige Meeresluft einzuatmen und in die unendliche Weite des Ozeans zu blicken. Selbst baden kann man in der Stadt problemlos, gut haben wir den Bikini eingepackt. Tatsächlich führen überall Leitern ins Wasser, sodass man nicht über die Steine klettern muss.

Škofja Loka

Ebenfalls gut mit dem Bus erreichbar und nur etwas mehr als 20 km von Ljubljana entfernt ist Škofja Loka. Ideal also für einen Halbtagesausflug. Die Kleinstadt steht unter Denkmalschutz und wird als eine der schönsten Städte des Landes bezeichnet. Überragt wird das Zentrum, wie so oft in Slowenien, von einer imposanten Burg.


Ciao Italia – Abstecher nach Triest

Lust auf etwas Italianità? Triest erreicht man mit dem Flixbus in 90 Minuten. Hier wurde 1933 „illycaffè“ gegründet und so starten wir unseren Besuch stilvoll mit einer Tasse Kaffee und einem süssen cornetto al cioccolato am Canal Grande. Nein, das ist kein Schreibfehler, auch Triest hat seinen Canal Grande. Wobei grande sehr übertrieben ist, molto piccolo trifft es besser.

Die Piazza dell’Unità d’Italia ist umgeben von prunkvollen Bauten, die wunderbar anzuschauen sind. Hübsch ist die kleinere Piazza del Barbacan mit dem Arco di Riccardo und auch das Forum Romanum ist einen Abstecher wert.

Überraschend viel bietet die mittelalterliche Burg, das Castello di San Giusto. Der Blick von oben auf Triest ist uns die 5 Euro definitiv wert, obwohl uns das Museum (für welches wir den Eintritt bezahlt haben) nicht sonderlich interessiert.

Wir leben heute aber vor allem unsere Liebe zum Meer aus. Salzgeruch in der Luft und eine frische Brise, wie haben wir dieses Gefühl in letzter Zeit vermisst. Die Mole Audace ist ein über 200 Meter langer Steg, ein wunderbarer Ort zum flanieren, sich die Haare vom leichten Wind zerzausen zu lassen und auf die Silhouette der Stadt zu blicken.

Mit einem Gelato in der Hand sagen wir arrivederci Italia. Triest ist ein absolut lohnenswerter Ausflug, für uns geht es „heim“ nach Slowenien.

Auf dem Blog findest zu weitere Beiträge aus Italien.


Drink mit Aussicht im Nebotičnik

Viel zu rasch heisst es Abschied nehmen von Slowenien und einsteigen in den Nachtzug zurück in die Schweiz.

Zum Abschluss entführe ich dich auf einen letzten Drink mit toller Aussicht. Bei der Einweihung 1933 war Ljubljanas Wolkenkratzer Nebotičnik mit 70 m das höchste Gebäude in Südosteuropa. Heute trifft man sich zum Sundowner in der Rooftop Bar. Besonders schön zur blauen Stunde, wenn langsam die Lichter der Stadt angehen.

Täglich direkt von Zürich HB nach Ljubljana mit dem Nachtzug


Hoteltipp

Günstig, zentral und empfehlenswert

B&B Hotel Ljubljana Park.

4 Kommentare zu “Slowenien – mit dem Nachtzug nach Ljubljana”

  1. Sieht toll aus! Wir haben leider im Frühjahr den geplanten Slowenientrip wegen schlechtem Wetter verschoben. Aber dein Beitrag bestärkt mich darin, dass wir das unbedingt nachholen müssen.

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